Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Fragen zur Operation einer Steißbeinfistel.

Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon freiberufler am Di 13. Dez 2011, 23:26

Hallo,

ich habe noch keinen ärztlichen Befund, hatte auch nie Probleme bis auf so einen kleinen Hubbel der mir nicht weiter gedanken gemacht hat weil es nie weh getan hat und auch nichts geeitert hat.
Jetzt habe ich aber an genau der Stelle wo man es auf den Bildern sieht so eine geschwollene Stelle die beim Sitzen schmerzt...und es könnte die super Steißbeinfistel sein.

Folgendes:

Ich bin selbstständig und mag meinen Job und 3 Monate Krankentagegeld beziehend zuhause auf der Couch liegen und Xbox spielen ist nicht so meine Traumvorstellung. Ich bereite mich, wie bei allem, mal wieder vor und lese mir alles zum Thema durch was es gibt.

Folgende Punkte beschäftigen mich dabei:

- wie seriös und wissenschaftlich anerkannt sind Methoden wie Pat Picking, Laserbehandlung in Nürnberg, Endoskopie in Berlin
. welche Methode verspricht die mit den schnellsten Heilungsmöglichkeiten zu sein?
- Ist die herkömmliche OP so furchtbar wie das klingt? Mir ist klar das die meisten Menschen nicht im Internet schreiben wenn alles gut lief, aber es gibt ja Horrorgeschichten von 12 Monaten nix tun, höllischen Schmerzen und einer monatelang offenen Wunde und es gibt Geschichten bei denen anscheinend garnichts weh tut und alles ein Spaziergang ist.
Die Frage die ich mir stelle: Kann da jemand aus eigener Erfahrung berichten? Ich hab hier sehr viel gelesen, aber man weiß auch nicht ob diverse Privatärzte nicht auch auf solchen Foren angemeldet sind um für die eigene Firma zu werben.

Wer kennt einen Arzt der auf diesem Gebiet Spezialist ist? Keinen Metzger der mal vor 20 Jahren gelernt hat das man das rausschneidet, sondern jemand der da auf dem neuesten internationalen Stand ist?
Geld spielt eine eher untergeordnete Rolle, ich bin gut versichert und kann auch privat die Bezahlung stemmen. Mir geht es um Erfolg und darum schnell wieder arbeiten zu können und fit zu sein.
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon optimist am Mi 14. Dez 2011, 10:45

Hallo Freiberufler!

Ich selber habe mich für die althergebrachte Variante entschieden. Aber ich versuche dennoch, ein paar deiner Fragen/Bedenken aufzugreifen:

- wie seriös und wissenschaftlich anerkannt sind Methoden wie Pat Picking, Laserbehandlung in Nürnberg, Endoskopie in Berlin
Gemäss meinen Infos sind die Varianten schon wissenschaftlich anerkannt. Allerdings gibt es bisher keine Methode, die mit Abstand als "die Beste" gilt. Mit PitPicking und Laser hat man eine wesentlich geringere Heilungszeit und kleinere Wunden, man erkauft sich diese Zeit allerdings mit einem wesentlich erhöhten Rückfallrisiko. Bei der alten Variante mit dem grossflächigen Ausschschneiden und dem anschliessenden offen lassen der Wunde (wie bei mir), geht es unter umständen massiv länger, bis die Wunde zu ist, dafür hast du mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit danach für immer Ruhe. Du musst die für dich am besten erscheindene Variante wählen. Bei der alten Methode gibts mittlerweile unzählige wissenschaftliche Studien, was die Rückfallquote anbelangt. Bei den neueren Methoden leider noch nicht. Zumindest keine langfristigen Studien.
Ich für meinen Teil muss sagen, dass man mit der offenen Wunde gut arbeiten kann (nach ca. 2-3 Wochen). Alelrdings nur, wenn du keinen körperlich strengen Job wie z.B. Bauarbeiter ausübst. Denn sitzen kann man gut mit der Wunde. nur eben viel Schweiss, Dreck und permantente Bewegung tun nicht so gut.

. welche Methode verspricht die mit den schnellsten Heilungsmöglichkeiten zu sein?
So weit ich weiss PItPicking.

- Ist die herkömmliche OP so furchtbar wie das klingt?
Nein, durchaus nicht. Man liest - logischerweise - im Internet immer zu 90% die üblen Geschichten, weil Leute, bei denen alles rund lief, massiv weniger posten, da sich ja euch keinen "Rat" brauchen. Bie mir lief alles rund, was die OP und die Zeit danach angeht und ich glaube ein paar andere haben hier auch schon positiv berichtet.
Aber: Es gibt keine Garantie, dass alles immer super läuft. Bei niemandem. Und bei keiner Methode.

Ich wünsche dir bei deinem weiteren Weg alles Gute und hoffe, du findest die für dich "perfekte" Methode!
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon freiberufler am Mi 14. Dez 2011, 12:40

Ich habe jetzt mal in Nürnberg bei der Klinik angerufen, mir wurde dort von ca. einer Woche Heilungszeit berichtet, Kosten übernimmt meine Krankenkasse. Termin Anfang Januar möglich, Inspektion kommende Woche Mittwoch. Jetzt nochmal zum Proktologen gehen und es mir schwarz auf weiß geben lassen, dass es diese bescheuerte Fistel ist.
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon Gerrit am Do 15. Dez 2011, 01:41

Guten Abend,

ich möchte hier korrigierend einwerfen, dass es nicht stimmt, dass die Rezidivrate bei der ,altehrwürdigen' Methode (Exzision mit anschließender offener Wundheilung) am geringsten ist. Die Rückfallrate ist teils erheblich. Ein sehr geringes Rückfallrisiko besteht beispielsweise bei der Operation nach Karydakis. Aber warum nicht zuvor Pit Picking versuchen? Es gibt schließlich nichts zu verlieren.

Pit Picking wird mitlerweile auch in Essen, Dachau und weiteren Städten angeboten. Natürlich auch im Marienhospital Gelsenkirchen, Dr. Iesalnieks. Bei von ihm nach Karydakis operierten Patienten besteht die Rezidivrate bei unter einem Prozent (Stand: 2010).


Viele Grüße,

Gerrit
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon optimist am Do 15. Dez 2011, 16:57

Hallo Gerrit,

das klingt natürlich super. Was mich interessieren würde: Aus welcher Studie stammt deine Zahl betreffend Rezidivrate nach Karydakis? Hatte nämlich mit einigen Ärzten aus meinem Bekanntenkreis schon Gespräche diesbezüglich, und alle meinten, es gäbe leider noch keine langjährigen wissenschaftlichen Studien. Vielleicht kannst du mir da weiterhelfen, denn ich denke, dass da weitere Ärzte daran interessiert sind, wenn es denn stimmt. Kannst du mir genauere Angaben machen? Was ich weiss, ist, dass es schon etlich Aussagen von operierenden Ärzten gibt, nur sind die zum Teil sehr abweichend in ihrer Aussage. Naja, kein Wunder - jeder Arzt propagiert natürlich seine selbst praktizierte Methode als die beste... Ich spreche aber von fundierten, anerkannten mehrjährigen Studien. Ich wäre da echt interessiert dran.
Das spannende ist eben, dass ich gleich mehrere Chirurgen kenne, die nach PitPicking bzw. Karydakis operiert haben und nach einigen Jahren wieder davon abgekommen sind, weil die Rückfallrate ihnen offenbar zu hoch war. Die operieren nun wieder nach der althergebrachten Methode. Was mich eben desweiteren erstaunt hat, ist die Tatsache, dass es so wenige Kliniken gibt, die alternative Eingriffe anbieten. Ich denke, wenn die Metoden wirklich über jeden Zweifel erhaben wären, müssten mehr Chirurgen danach operieren. Wirtschalftliche Aspekte dürften hierbei für die Ärzte def. nicht im Vordergrund stehen.

Danke für deine Rückmeldung und ich hoffe echt, dass es in naher Zukunft mal eine wirklich taugliche Operationsmethode geben wird.
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon Gerrit am Do 15. Dez 2011, 23:33

Guten Abend,

deiner Bitte um Forschungsbefunde möchte ich gerne nachkommen.

- Karydakis, griechischer Militärarzt, fand bei den von ihm operierten Patienten (über 6000) eine Rezidivrate von unter einem Prozent.

- Iesalnieks, I. et al. (2007): Erhöhtes Rezidivrisiko nach primärem medianem Wundverschluss bei Patienten mit Pilonidalsinus. In: Der Chirurg, 74. Jg., Heft 5. 461-468. <http://www.springerlink.com/content/42pc5pk75ku0dncq/> [15.12.2011].

- Iesalnieks, I. et al. (2011): Pit-picking surgery for pilonidal disease. In: Chirurg, 82. Jg., Heft 10. 927-931. <http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21424286/> [15.12.2011]. ("Patients with pilonidal disease can be successfully treated by the pit-picking procedure in more than 80% of selected cases.")

- Dissertation von Tuan, M. (1997): Die Behandlungsmöglichkeiten des Sinus pilonidalis und die eigenen
Ergebnisse der Operation nach Karydakis. <http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=95985097x&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=95985097x.pdf> [15.12.2011]. (Hier Rezidivrate um 5 Prozent).

- Dr. Iesalnieks wertet Rezidivrate bei seinen Patienten statistisch aus. Bei Karydakis laut eigener Aussage ein Prozent.


Viele Grüße,

Gerrit
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon optimist am Sa 17. Dez 2011, 11:09

Super, vielen Dank!
Werde das mal mit den Ärzten in meinem Bekanntenkreis anschauen. Bin gespannt, was die sage. ;)
Kann mir nämlich einfach nicht erklären, warum so wenig Ärzte diese Methoden anwenden bzw. ob sie sie überhaupt kennen. Ich meine, ist ja nicht so, dass der Pilonidalsinus was Seltenes wäre...
Aber ich vermute mal, dass dieses Gebiet einfach zu wenig interessant / lukrativ ist, um da gross Forschungsgelder zu verschleudern... Leider...
Naja, für mich persönlich spielts hoffentlich keine Rolle mehr. Hab ja meine OP eh schon hinter mir (althergebracht) und die Wunde ist bis jetzt problemlos am verheilen (6. Woche). Hoffe, dass das so weiter geht.

Also, nochmals danke für den "Lesestoff"! ;)
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Re: Selbstständiger sucht nach schnellstmöglicher Heilung

Beitragvon vbv am Mo 19. Dez 2011, 18:43

Ich wurde vor sechs Monaten mit Pit Picking operiert, und mein Arzt hält mich für geheilt. Er ist regelrecht begeistert vom Ergebnis. Ich selber sehe auch nichts krankhaftes (gucke aber ständig nach...!). Trotzdem habe ich immer noch hin und wieder leichte Schmerzen beim Sitzen, die teilweise stimmungsabhängig sind, manchmal auch einfach so auftreten. Hinzu kommt die Angst, dass sich neue Haare da hinein bohren, so dass ich mittlerweile täglich zwei-dreimal die Gesäßfalte ausdusche, was irgendwie auch nervt. Es sind also psychische Faktoren, die mich daran hindern, vernünftig mit der "Heilung" umzugehen, was vermutlich daran liegt, dass das Problem mich vorher so lange schon beschäftigt hat und es auch so lange gedauert hat, bis ich über dieses Forum von Pit Picking gehört hatte.
Hätte ich die klassische Methode gewählt, hätte ich mindestens 2-3 Monate mit der offenen Wunde zu tun gehabt und TROTZDEM ungefähr das gleiche Rezidivrisiko und somit die gleiche Angst wie beim Pit-Picking, das mir gerade mal einen lächerlichen Tag Arbeitsunfähigkeit und eigentlich überhaupt keine Probleme bereitet hat. Eine offene Wunde in dem Bereich heilt erwiesenermaßen schlecht, so dass es mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären ist, wieso das immer noch die meisten Ärzte machen. Wenn man danach wenigstens tatsächlich geheilt wäre... aber nein, man hat eine neue Krankheit (die offene Wunde) und später durch das weiche Narbengewebe ein recht hohes Rezidivrisiko. Diese Methode würde ich nicht einmal dann wählen, wenn es keine anderen gäbe.
Wie es mir nach einer (evtl. modifizierten) Karydakis-OP ginge, weiß ich natürlich nicht, und ich hoffe, dass ich das auch nie herausfinden muss. Es ist aber beruhigend zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt.

Ich denke, am vernünftigsten und gesündesten ist es, erstmal das Pit Picking (oder evtl. dieses Lasern) zu versuchen. Es ist kaum aufwändig, benötigt so gut wie keine Nachsorge und wird auf jeden Fall für einige Monate - wahrscheinlich (80%) für immer - Ruhe geben, wenn man denn in der Lage ist, diese Ruhe auch anzunehmen.
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