Steißbeinfistel - Ein Bericht von einer Frau

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Steißbeinfistel - Ein Bericht von einer Frau

Beitragvon Simone am Do 20. Aug 2009, 13:41

Hallo,
mir ist aufgefallen, dass in diversen Foren immer wieder unterschiedliche Fragen zu Steißbeinfisteln gestellt werden, doch kaum ein Betroffener macht sich die Mühe und berichtet über seinen Krankheitsverlauf. Ich hoffe, ich kann mit meinem folgenden Bericht dem ein- oder anderen Betroffenen eine Hilfestellung geben und sei es auch nur, dass dies hier ein sinnvoller Beitrag als Information wird. Schön wäre, wenn in Zukunft mehr Berichte als Informationsquellen dienen könnten! Gerade auch von Frauen, wie auch ich eine bin - obwohl es sich ja im Grunde um eine Männerkrankheit handelt.
Nun mein Bericht:
Irgendwann im vergangen Jahr bemerkte ich eine kleine Schwellung an meiner Kehrseite, sorgte mich aber nicht weiter darum. Zum einen habe ich leider, leider immer wieder Probleme mit Abszessen an den Innenseiten der Oberschenkel (sonst nirgendwo am Körper, auch keine Akne) seit ca. 15 Jahren, ich bin 33 Jahre alt - zum anderen hat sich wohl jeder schon mal "einen Wolf gelaufen" oder hatte einen Pickel am Hintern. Die Schwellung ist dann verschwunden. Ca. 2-3 Monate später war sie wieder da und ich tröstete mich damit, dass ich nun wohl mal ein Abszess dort hinten hätte. Die Schwellung nahm zu, diverse Bewegungen wurden schmerzhafter, sitzen war teilweise kaum möglich, also ging ich zur gleichen Behandlung wie bei meinen anderen Abszessen über, d. h. Sitzbäder mit Kamille, anschließend Abszess-Salben - beides ist übrigens rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Nach mehrfachen Anwendungen und zunehmenden Schmerzen öffnete sich das Abszess. Zwar hatte ich auch dann noch Schmerzen, doch im Vergleich zu vorher waren sie absolut erträglich. Anfang Juli 2009 war das Abszess dann über Nacht wieder da, meine Freude entsprechend gering. Die Symptome waren wie zuvor schon erwähnt. Einziger Unterschied: Nachdem sich das Abszess öffnete, verschwand es nicht wie vormals von selbst, sondern es entleerte sich ständig über eine Flüssigkeit, die die Unterhose oftmals verschmierte trotz Sitzbäder usw. Dazu bildete sich oberhalb des Anus etwas fühlbares, die Austrittswunde des Abszesses lag ca. 2-3 cm höher, zwischenzeitlich hörte der Ausfluss auf, es war wie eine erneute Entzündung, dann setzte der Ausfluss wieder ein.
Anmerken möchte ich, dass ich zig Ärzte (Frauenärzte, Hautärzte etc.) im Laufe der Jahre aufgesucht hatte, um meinen Abszessen Herr zu werden. Leider waren alle Behandlungen ohne Erfolg, sei es die Einnahme von Tabletten, diverse Cremes, Blutuntersuchungen, Blutsenkung, Eigenblut-Therapie usw. Meine Großmutter und meine Mutter leideten auch an Abszessen; bei meiner Großmutter hörten diese mit den Wechseljahren auf, meine Mutter hatte ein immer wiederkehrendes Abszess, das nach vielen Jahren operativ entfernt wurde (auch nur, weil sie den Schmerz irgendwann nicht mehr ertragen konnte), es kam nie wieder. Bei mir ist eine Operation nicht möglich, weil der betroffene Bereich zu groß ist.
Das Sitzen wurde bei mir immer unangenehmer, so dass ich mich dann im Internet erkundigt hatte, was dieses Abszess betrifft, war es doch anders als meine anderen. Dieses Portal hier u. a. öffnete mir die Augen, wenn auch unangenehm. Ich habe also vor 14 Tagen meine Hausärztin aufgesucht, ihr meine Symptome erklärt, sie hat sich die betroffene Stelle angesehen und mir eine Überweisung zum Chirurgen ausgestellt, Diagnose: Steißbeinfistel. Ich war richtig betroffen und extrem niedergeschlagen. Meine Hausärztin nannte mir 2 Adressen von Chirurgen, die gleichzeitig auch Proktologen und damit auf das Gebiet spezialisiert sind. Ich vereinbarte einen Termin, in dem die Diagnose bestätigt wurde. Zu allem Übel hinzu war mein vermeintliches Abszess eine Steißbeinfistel und auf Grund meiner Unkenntnis inzwischen chronisch geworden. Oben drauf habe ich zu Ende Juni nach 11 Jahren meinen Job verloren, da die Firma geschlossen wurde - mein neuer Job sollte am 17.08.2009 beginnen. Leider konnte ich diesen nicht antreten. Ich hatte überlegt, die Operation zu schieben, damit ich nicht Gefahr laufen konnte, meine neue Anstellung zu verlieren. Da meine Schmerzen jedoch immer mehr zunahmen, entschied ich mich zur Flucht nach vorne. Ich habe meine neuen Arbeitgeber informiert und er reagierte absolut vorbildlich. Werde meinen Job nicht verlieren, nur einfach später - nach Genesung - antreten dürfen. Somit habe ich mich am 18.08.2009 operieren lassen ambulant. Ich habe nach Beratung mit dem Chirurgen / Proktologen mich dazu entschieden, auf die Erfahrung des Arztes zu vertrauen und ihm die Wahl gelassen, die Wunde zu vernähen, sofern es vom Gewebe her möglich wäre. Bei der Operation wurde die Fistel mit Methylenblau gefärbt, um das gesamte betroffene Gewebe großflächig erkennen zu können. Meine Fistel war sehr groß, so dass viel und vor allem bis auf den Knochen geschnitten werden musste. Da die Heilungsdauer mit Verschließen der Wunde viel geringer ist, war dies meine erste Wahl - genauso hat auch der Arzt dann entschieden. Sollte sich die Wunde entzünden, muss sie geöffnet werden und dann offen heilen. Im Moment hoffe ich natürlich darauf, dass sie sich nicht entzünden wird. An dieser Stelle ein großes Lob für diesen Chirurgen und sein Team, Düsseldorf, ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Nach der Operation gab der Arzt mir Tropfen für die Schmerzen und Tee für den Durst. Nachdem ich vollständig wach war, durfte mich mein Freund mit nach Hause nehmen. Ich erhielt noch 2 Schmerztabletten und das Medikament Diclofenac-ratiopharm, das schmerz- und entzündungshemmend ist - am nächsten Tag musste ich wiederkommen ohne Termin, ich habe kaum 5 Minuten trotz vollem Wartezimmer warten müssen, wurde vorgezogen. Krankgeschrieben bin ich erst mal 2 Wochen, ggf. wirds länger werden. Die erste Untersuchung nach der OP war unangenehm, weil ein Streifen in der Wunde verblieben ist, der gezogen werden musste. Auch das Wundsekret wurde ausgedrückt. Natürlich habe ich auch jetzt noch Schmerzen, gerade das Sitzen ist unangenehm. Seitlich liegen ist prima, aber irgendein Körperteil schläft schnell ein - also sind ständige Stellungswechsel nicht zu vermeiden. Morgen steht die nächste Untersuchung an. Ich hoffe, es wird alles gut gehen. Meinen Bericht werde ich natürlich noch aktualisieren! Einen lieben Gruß an alle Betroffenen! Simone
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