Ich durfte ebenfalls in den "Genuss" einer Steißbeinfistel kommen, welche schließlich nach Karydakis operiert wurde. Im Folgenden möchte ich nun meine Erfahrungen mit euch teilen, zumal es hier zu dieser Methode nur wenige Berichte gibt. Wer nicht weiß was mit Karydakis gemeint ist sollte mal einen Blick in meine Aufstellung von Behandlungsmethoden werfen...
Vorgeschichte:
Ich bin männlich und 24 Jahre alt. Bei mir äußerte sich die Steißbeinfistel durch ein "Nässen". Ich hatte plötzlich rötliche Flecken in der Unterhose auf Höhe des Steißbeins und bemerkte eine Art "Pickel" mehr oder weniger in der Pofalte. Von dort trat im Laufe des Tages so wie ich das sehe eine Mischung aus Blut, Eiter und Wundwasser aus. Kurz: Die Stelle "nässte". Zuerst hielt ich das für einen Pickel oder gar Furunkel und tat nichts. Als nach zwei Wochen keine Besserung eintrat half ich mit so einer desinfizierenden Hautcreme nach, da ich die Vermutung hatte, dass es in der Falte Probleme mit dem Abheilen gab. Auch das half aber nichts und so suchte ich zuerst im Internet nach einer Lösung und stieß auf das Thema Steißbeinfistel. Das passte recht gut und mein Vater erzählte mir von seinen zwei Steißbeinfisteln die er bislang gehabt hatte, welche sich auch durch ein Nässen bemerkbar machten. Nachdem ich dann dieses Forum und das Internet zu dem Thema durchforstet hatte war mir vor allem wegen der Bilder mit den gigantischen Wunden erstmal schlecht. Ich las aber auch direkt von "angenehmeren Methoden" und beschloss zuerst mal zum Hausarzt zu gehen bevor ich mich total verrückt mache. Leider bestätigte der mir die vermutete Diagnose und schlug vor mich im nächstgelegenem Krankenhaus für eine OP einzuweisen...
Glücklicherweise war ich zu dem Zeitpunkt dann schon recht umfassend informiert und konnte die dem Hausarzt bis dato unbekannte Pit Picking Methode vorschlagen von der er zum ersten Mal hörte, die ihn jedoch zu interessieren schien. Ich schickte daher ein paar E-Mails raus mit der Frage, ob die Pit Picking Methode angeboten wurde. Eine extrem schnelle Antwort bekam ich von dem oftmals lobend erwähntem Dr. Iesalnieks aus dem Marienhospital in Gelsenkirchen. Mit dem ich dann auch direkt einen Termin vereinbarte, auch wenn das gut eineinhalb Stunden Anfahrt für mich bedeutete - um einer klassischen Exzision zu entgehen war es mir das allemal wert...
Vor Ort ließ ich ihn dann meine Fisteln mal in Augenschein nehmen, doch leider sollte sich eine meiner zwei Fisteln als zu fortgeschritten herausstellen um mit Pit Picking gute Erfolge erzielen zu können. Damit war meine Hoffnung auf einen kleinen, schonenden Eingriff zunichte. Glücklicherweise gab es da immer noch Plan B der in einem Eingriff nach Karydakis besteht und der auch von Dr. Iesalnieks angeboten wird...
Tag 1: Die OP
Da ich die üblichen Tests schon vorher durchführen lassen konnte, musste ich erst am Tag der Operation früh morgens im Marienhospital in Gelsenkirchen aufschlagen. Es folgte das Standardprozedere, d.h. Sachen kurz verstauen, OP-Hemd anziehen (Trombosestrümpfe erhielt ich überraschenderweise keine was auf Nachfrage aber wohl noch ok ist), Tablette zur Beruhigung & Co einwerfen (welche bei mir aber keine fühlbare Wirkung zeigte) und dann ab in den Vorbereitungsraum. Dort wurde dann ein Zugang an der Hand gelegt und da ich dann ein recht nervöses Auftreten hatte (ich zitterte leicht obwohl ich mich selber gar nicht als so nervös empfand), bekam ich eine kleine Dosis bzw. laut Schwester "nur" eine Einheit von einem Beruhigungsmittel gespritzt. Was auch immer für ein Ausbleiben der Wirkung ich nach der Tablette hatte, so war genau das Gegenteil nach diesem Mittel der Fall und so kann ich euch leider nicht erzählen was im weiterem Verlauf passierte, denn gut 2-3 Sekunden nach dem Einspritzen habe ich einen Filmriss und aus meiner Sicht gab's quasi einen fließenden Übergang in den Aufwachraum bei dem ich mich zunächst über den Lüftungsschacht an der Decke wunderte, denn der kam mir bekannt vor. Blicke nach links und rechts bei denen mir die Augen immer wieder kurz zufielen ließen mich dann realisieren, dass schon alles vorbei war und ich mich im Aufwachraum befand. Ich lag auf dem Rücken im Bett und eigentlich ging's mir prima. Ich hatte keinerlei Schmerzen und musste ein wenig schmunzeln, dass ich den ganzen OP Teil unerwarteter Weise"vergessen" hatte und wie komisch sich es sich so im halbwachem Dämmerzustand anfühlte. Nach gefühlten zwei Minuten kamen dann auch schon zwei Schwestern und schoben mich zurück auf mein Zimmer...
Ich war nun mehr oder weniger wach, allerdings noch sehr müde. Ich hatte keinen Tropf mehr oder so was und wurde lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass ich eine Drainage hatte was erklärte, dass es beim Liegen auf dem Rücken irgendeine "Unbequemlichkeit" gab, die sich dann als der dünne Plastikschlauch herausstellte. Mir wurde dann auch strenge Bettruhe auf dem Rücken verordnet, damit sich die Wunde gut schließen kann. Nach wenigen Stunden bekam ich dann meine erste Mahlzeit nach der OP und die dazugehörige Ration Tabletten. Neben Antibiotika die's morgens und abends gab bekam ich stets eine unterschiedlich Anzahl weißer, runder und flacher Schmerztabletten (je nach Tageszeit eine bis ich glaube vier - evtl. waren's aber auch nur 3 und eine zusätzliche Tablette für was Anderes). Auch gab's morgens und abends stets eine der stärkeren Oxycodon Tabletten und natürlich stand auch die tägliche Trombosespritze auf dem Plan...
Alles in allem konnte ich mich aber nicht beschweren: Ich war vollständig schmerzfrei. Die Nacht war dann eher unruhig und ich habe wenig geschlafen. Das lag allerdings an dem striktem auf dem Rücken liegen - jeder der das schonmal musste weiß bestimmte wovon ich rede. Das wird irgendwann halt recht unbequem und gerade wegen dem Schlauch musste ich dann mein Gesäß alle 10-15 Minuten leicht anheben um wieder ein recht angenehmes Gefühl zu erhalten...
Tag 2: Der Tag nach der OP
Bei der Visite wurde mir dann gesagt, dass ich mich vorsichtig wieder frei bewegen könnte - nur Treppensteigen war untersagt. Ich genoss dann erstmal die Wohltat des auf der Seite liegen dürfens...
Zu Anfang machte mir auch die Drainage zu schaffen. Im Bett kann man sich natürlich nicht rumwälzen wie man will und da der Schlauch recht kurz ist und ich den Beutel nicht neben mich legen wollte, konnte ich halt nur auf dem Rücken und auf der rechten Seite liegen ohne zu riskieren, dass die Schlauchlänge nicht mehr reicht was aber schon ein sehr angenehmer Zustand ist. Schlimmer wurde es dann, als ich aufstehen musste als das Bett neu gemacht wurde. Ich empfand es nicht nur als äußerst ungewohnt, sondern auch eklig mit einem Schlauch in meinem Körper zu gehen und einen vollgebluteten Beutel dabei in der Hand zu haben an dem der Schlauch dran ist. Nach wenigen Schritten bis zu einem Stuhl war mir dann erstmal leicht übel und schwindelig. Das Sitzen ging überraschenderweise gut - auch wenn die meisten Berichte die man liest offene Wunden behandeln, so hatte ich nicht erwartet so gut sitzen zu können. Angenehm war es zwar nicht gerade und ich stützte mich stets etwas ab um nicht zuviel Druck auf den Hintern auszuüben, aber es war kein Bisschen schmerzhaft. Ich machte mich dann allerdings direkt wieder auf ins Bett und bliebt sicherheitshalber noch ein wenig länger auf dem Rücken liegen...
Irgendwann musste ich dann aber doch auf's Klo und da ich die Urinflasche nicht mehr nutzen wollte musste ich wohl oder übel mich wieder dem Drainagebeutel widmen. Die etwas weitere Strecke bis zum Klo überstand ich dann aber sehr gut - ich hatte mich wohl schon ein wenig an den Gedanken des Schlauchs mit Beutel gewöhnt. Auf das recht tiefe Klo setzen ging ebenfalls problemlos. Allerdings ziepten die Pflaster ein wenig was aber nur unbequem und nicht unangenehm oder gar schmerzhaft...
Die folgenden Tage im Krankenhaus
Im Prinzip lässt sich nicht viel über den restlichen Aufenthalt berichten. Ich war vollständig schmerzfrei, lediglich längeres Liegen auf dem Schlauch war unbequem, so dass man den Hintern mal heben muss (oder man legt sich auf die Seite), aber nun ja so Stelle ich mir das immer vor wenn man auf irgendwas Störendem draufliegt. Mit den Zimmerkollegen kam ich gut aus und von der Betreuung durch Schwestern & Pfleger war ich beeindruckt - die war wirklich 1A...
Am Mittag des vierten Tages wurde ich dann entlassen, nachdem ich einige Stunden auf einen Arzt warten musste, der mich von der Drainage befreit. Auch hier hatte ich schon von einigen Erfahrungen gelesen hielt mich mit den Händen schonmal an einer Querstange vom Kopf des Bettes fest und wartete darauf husten zu müssen oder so während der Schlauch rausgezogen wurde. Nachdem ein Pflaster gelöst wurde merkte ich dann wie der Arzt ein paar Nähte löste, mit denen der Schlauch wohl zusätzlich befestigt war und wartete dann mehr oder weniger angespannt auf das Rausziehen bzw. die Aufforderung zu hosten. Dann kam jedoch plötzlich ein Pflaster und der Arzt war fertig und ich erstmal verblüfft. Ich habe das Herausziehen weder gehört noch irgendwie gespürt - nicht dass ich was dagegen hätte...
Ohne den Schlauch fühlte ich mich dann auch irgendwie deutlich mobiler und vor allem das Sitzen und Liegen auf dem Rücken war angenehmer, auch wenn längeres Sitzen ohne Abstützen und kurzes Aufstehen nicht angenehm möglich ist...
Wieder zu Hause
Auch zu Hause hat sich bislang nichts geändert: Ich bin auch ohne Schmerzmittel (ich nehme keine mehr) 100% schmerzfrei und die Situation bessert sich von Tag für Tag (was vor allem heisst, dass man länger sitzen kann). Das einzig Unangenehme war ein leichter Muskelkater im Rücken an einem Abend, da vor allem im recht weichem Bett zu Hause des gelegentliche Hochheben des Hinterns und generell das stete leichte Abstützen den ganzen Tag über doch recht anstrengend ist. Ansonsten konnte ich nicht klagen...
Ich habe dann auch mal ein Foto gemacht, wie das Ganze im zugepflastertem Zustand aussieht:
Als ich am Tag 6 nach der OP die Pflaster wechselte, habe ich auch mal ein Foto von der Geschichte unter dem Verband gemacht:
http://www.abload.de/img/karydakis_6_tage_nach_bea1.jpg
(Achtung! Potentiell eklig!)
Ende der Woche werden die Fäden gezogen und ich werde dann weiter berichten bzw. weiter mit Fotos dienen...
Soweit kann ich nur sagen, dass ich erstmal Entwarnung geben kann: Zumindest für mich gestaltete sich die OP nach Karydakis als äußerst "angenehm". Ich bin nach wie vor und ohne Medikation vollständig schmerzfrei (und das auch im Sitzen & Co), konnte mich schon einen Tag nach der OP mehr oder weniger frei bewegen und vor allem liegen wie ich will und habe auch ansonsten abgesehen von der leicht eingeschränkten Mobilität im Gegensatz zum gesundem Zustand (durch die Gegend spurten ist halt noch nicht drin, aber das erwartet ja auch keiner denke ich) keinerlei Beschwerden...
