Mein Fistel Lebenslauf.
Hallo liebe Leidensgenossen, vor etwa 4 Jahren habe ich rechts von meinem Steißbein einen Pickel festgestellt. Am Anfang dachte ich mir nichts weiter dabei und verfuhr nach dem Motto "was von alleine kommt, geht auch von alleine", leider sollte sich dies als Irrtum heraus stellen.
Als der "Pickel" nach ca. drei Monaten an einem Sonntag das erstemal richtig böse entzündet war und ich weder sitzen noch liegen konnte, fuhr ich in die Notaufnahme eines Chirugen. Dieser meinte, es wäre ein Abszess den man nur öffnen müsse und dann würde er ausheilen, gesagt getan.
Die Schmerzen verschwanden nach dem Aufschneiden relativ schnell und ich war froh, es überstanden zu haben. Doch nach etwa einem dreiviertel Jahr war er wieder da, der "Pickel". Das selbe Spiel von vorn, ich war schwer begeistert. Wieder aufgeschnitten, selbe Diagnose und wieder in der Annahme gewesen das wird schon wieder.
Doch falsch gedacht. Es verging ein gutes halbes jahr und da war er wieder, mein kleiner Freund am Steiß. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, ihn mit Salben und anderen Hausmittelchen zu Leibe zurücken, da meines Erachtens das Rumgeschnipple auch nicht viel gebracht hatte, denn er kam ja immer wieder.
Es verging ein gutes Jahr mit mal mehr oder weniger schmerzhaften Tagen. Ich habe allemöglichen Zugsalben, Pickeltinkturen etc. in dieser Zeit ausprobiert aber nichts half. Außer, dass ich festgestellt habe, dass so ein blöder Pickel ganz schön Geld kostet. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass ich einen kleinen Unternmieter habe, der mich ab und an quält.
Eines Tages fing der kleine Bursche dann an zu eitern wie nichts Gutes. Gut, dachte ich, dann hat es wohl bald ein Ende mit dem Pickel. Doch es geschah nichts, außer dass ich vier bis fünfmal am Tag die Unterhosen wechseln musste, weil es eben eiterte. Es verging ein ganzes Jahr mit Eiter und Blutsekret in der Unterhose, bis an einem Sonntag erneut eine Entzündung da war. Der entzündete Bereich war so groß wie eine Mandarine. Die Schmerzen wurden unerträglich, sodaß ich in die Klinik fuhr und darum bettelte, dass man den Abszess erneut spaltet. Dies wurde auch gemacht.
An diesem Punkt hatte ich mir vorgenommen, wenn der Pickel wieder kommt gehst du zu einem anderen Chirurgen. Inzwichen war ich berufsbedingt in ein anderes Bundesland umgezogen. Als dann der "Pickel" wieder auftauchte, ging ich gleich zum Arzt. Wieder die selbe Diagnose, dies sei nur ein "Abszess, nix schlimmes das haben viele Menschen", und wieder aufgeschnitten.
Der Pickel kam diesesmal sehr schnell wieder, innerhal von zwei Monaten war die Entzündung wieder da und die Schmerzen wurden immer größer. Als ich zur Schmerzlinderung ein heißes Bad nahm, ging das Teil von alleine auf. Am folgendem Tag fuhr ich in eine Uni Klinik und lies mich erneut von einem Chirugen untersuchen. Dieser meinte dann, dass ich eine Steißbeinfistel hätte, die sofort raus müsste.
Desweiteren erfuhr ich, dass mir im schlimmsten Fall ein künstlicher Darmausgang gelegt werden müsse, da sich die Fistel schon relativ weit ausgebreitet hat. Diesen könnte man dann aber nach etwa drei Monaten wieder zurückverlegen. Der Krankenhausaufenthalt sollte drei bis vier Wochen betragen. Nach dieser Diagnose war ich erstmal mit den Nerven am Ende. Aber die Diagnose hatte auch seine gute Seite, endlich hatte ich Gewissheit über meinen kleinen Freund erhalten.
Nur die Möglichkeit einer eventuellen Darmausgangverlegung machte mir große Sorgen, denn wer möchte schon gerne einen solchen haben. Am darauffolgendem Tag ging ich noch zu einem anderen Chirurgen, frei nach dem Motto "vier Augen sehen mehr als zwei". Dieser meinte, das Ausmaß sehen wir erst bei der OP, ich solle mich nicht verückt machen.
Im optimalsten Fall wird die Steißbeinfistel großflächig raus geschnitten und dann könne ich noch am selben Tag wieder nach Hause. Dies hörte sich schon wesentlich besser an. Also machte ich einen Termin für den 14.10.2008. Der Tag der OP kam. Meine Freundin fuhr mich in die Klinik, um 11.30 Uhr wurde ich in Vollnarkose gelegt und wachte 14.30 Uhr wieder auf.
Der Arzt kam an mein Bett und meinte es sei soweit alles gut verlaufen. Wenn ich möchte könne ich unter der Bedingung nach Hause, dass ich mindestens 24 Stunden einen "Babysitter" habe. Das klang wie Musik in meinen Ohren, also ran ans Telefon, meine Freundin angerufen und ab nach Hause.
Am nächsten Tag war ich nochmal zur Nachkontrolle in der Klinik. Meine Freundin war mit, um zu schauen wie man den Verbandswechsel durchführt, da sie ihn ab dann selber machen sollte. Nun brauche ich nur noch aller drei Tage zum Doc und bis jetz sieht alles ganz gut aus.
Bilder meiner Fistel findet ihr hier. Ebenso einige Tipps zur Nachbehandlung auf dieser Seite.
P.S. Abschließend kann ich nur jedem raten, sich immer mehr als eine Meinung einzuholen. Denn Ärzte sind auch nur Menschen und aus einem Abszess kann auch eine Steißbeinfistel werden.
