ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Keine passende Kategorie gefunden? Dann gehört euer Beitrag hier hinein.

ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Sandy1978 am Fr 26. Mär 2010, 10:10

Hallo zusammen!

Da mich die meisten Recherchen im Internet zum Thema "Steißbeinfistel" in albtraumhafte Empfindungszustände gesetzt haben, möchte ich euch meine Erfahrungen mal schildern - und vielleicht den einen oder anderen Leser aufmuntern.
Ich bin eine 32 Jahre junge Berlinerin.
Bei mir fing alles mit einem Druckschmerz in der Steißbeingegend an. Dieser Schmerz ließ einfach nicht nach, so dass ich zum Orthopäden ging, da ich dachte, dass ich mir das Steißbein geprellt habe. Der Orthopäde überwies mich direkt zum Chirurgen, der dann die Diagnose "Steißbeinfistel" stellte. Posttraumatischer Art (bin beim Handballspielen vor zwei Jahren auf den Po gefallen und hatte mir da das Steißbein geprellt). Eine OP sei unumgänglich. Ich sah das zunächst anders, erbat mir Bedenkzeit, ging heim, recherchierte im Netz und entschied daraufhin, tapfer zu sein und alle Qualen zu ertragen (die Schmerzen waren abartig!!). So eine OP mit offener Wunde??? Neee, auf gar keinen Fall. Hatten mich doch all die Berichte im Internet echt geschockt und sämtliche Bilder echte Würgreize verursacht. Da ich am nächsten Tag kaum noch sitzen konnte und mir bei fast jeder Bewegung die Tränen in die Augen schossen, entschied ich mich dann doch, das Ding durchzuziehen. Die OP fand dann 3 Tage später statt. Sie wurde ambulant durchgeführt und verlief super. Ich war nach drei Stunden wieder topfit und konnte problemlos laufen. Leider fing daheim eine Arterie in der Wunde an, heftig zu bluten, so dass ich mich ins Krankenhaus bringen ließ. Dort hat man die Blutung gestillt (mittels Arterienumstechung) und mich vorsichtshalber noch drei Tage dabehalten (Einzelzimmer, gutes Essen, nettes Personal, Fernseher - ein Hauch von Robinson Club ;-)). Die Ärzte im Krankenhaus sprachen von "ausgeprägtem Befund"... Die Wunde war ca. 8cm lang, 5 cm breit und 6 cm tief :o !!! Der Albtraum war wahr geworden. Ich beschloss, mir das Ding erst in ein paar Wochen anzuschauen. Bis dahin sollten sich andere um die Versorgung der Wunde kümmern. So war der Plan... Was mich stutzig machte: ich hatte keine Schmerzen - und das, obwohl sich mein Schmerzmittelkonsum wahrlich in Grenzen hielt (max. 400 mg Ibuprofen pro Tag).
Die Wundversorgung wurde im Krankenhaus einmal pro Tag durchgeführt. Die Wunde wurde mit Kochsalzlösung ausgespült, danach wurde ein Antibiotika-Schwämmchen hineingelegt und alles wieder hübsch verpackt.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durfte ich jeden Tag zu meinem Chirurgen in die Praxis kommen, wo man sich rührend um mich gekümmert hat. Für's Wochenende habe ich eine Überweisung für die Rettungsstelle des Krankenhauses bekommen, wo die Wundversorgung dann durchgeführt wurde. Ich hatte kurzzeitig Schmerzen, die von dem Fädchen (von der Blutungsstillung nach der OP) ausgingen. Das wurde mir aber rausgezogen und dann war's auch wieder vorbei mit dem Schmerz.
Zehn Tage nach der OP überkam mich dann doch der dringliche Wunsch, den "Willi" (ich habe den Krater auf diesen Namen getauft) mal näher zu betrachten. Ich habe meine Mama als Beistand neben mich vor den Spiegel gestellt. Und als ich dann das Pflaster abzog und sich "Willi" in ganzem Ausmaß präsentierte, fing ich an zu heulen: vor Erleichterung. Denn ich hatte mir das alles viel schlimmer ausgemalt. Seither habe ich mir dann auch getraut, ihn einmal am Tag auszuduschen (mit lauwarmem Wasser - ohne Schnickschnack, Wunderlösungen, Heilsalben etc). Danach gings immer ab zum Arzt und Verbandswechsel. Drei Wochen nach der OP habe ich dann auch den Verbandswechsel selbst hinbekommen. Anfangs war dies echt unangenehm. Was aber nichts mit der Wunde an sich zu tun hatte, sondern mit den kamasutraähnlichen Bewegungen, die nötig waren, um die Kompressen und Pflaster so zu platzieren, dass die Wunde möglicherweise auch bedeckt ist. Aber auch das wurde von Tag zu Tag besser - fast Routine ;-) Krankgeschrieben war ich 4 Wochen. In meinem Job muss ich 8 Stunden lang sitzen, das war erst nach 4 Wochen möglich. Wobei das Sitzen an sich schon drei Tage nach der OP möglich war (wenn auch extrem verkrampft). Seitlich liegen war sofort möglich, so auch das Laufen. Auf dem Rücken schlafen konnte ich allerdings erst nach drei Wochen wieder. Ich hatte anfangs Panik vor so langer Arbeitsunfähigkeit. Ich bin nicht oft krankgeschrieben. Aber eins musste ich feststellen: es tut auch mal seeeehr gut, eine Weile Abstand zu haben und sich mal so richtig zu erholen: Bücher lesen, Fernsehgucken, Spazierengehen. Ich arbeite seit fast 15 Jahren im Schichtdienst. Und nach so langer Zeit zu bemerken, dass ich doch noch einen Biorythmus habe, war eine wunderbare Erfahrung.
Mittlerweile ist die OP 6 Wochen her. "Willi" verschwindet langsam (Ausmaße 1,5 cm lang, 1 cm breit, 1 cm tief). Mir geht es bestens. Ich gehe einmal die Woche zum "Willi-Check" zum Chirurgen. Verbandswechsel dauert noch genau zwei Minuten. Ich fahre schon wieder Fahrrad und gehe viel und gern aus.
In zwei Wochen darf ich wieder so richtig Sport machen.

Zusammenfassung: es war alles lange nicht so schlimm, wie in vielen Internet-Foren beschrieben. Ich habe mich immer gefragt, warum denn keine motivierenden Beiträge zu lesen sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die absolute Mehrheit nach der OP Wohlbefinden verspürt und etwas anderes zu tun hat, als in diesen schrecklichen Foren abzuhängen und andere Menschen zu verunsichern. Das Schlimmste an meiner Steißbeinfistel waren der Schmerz vor der Operation und die Angst, die in mir durch das Recherchieren im Internet geschürt wurde. Weil ich selbst sehr empfänglich für so'ne Panikmache bin und weiß, wie hysterisch man auf all die Berichte reagieren kann, dachte ich mir, ich schreib mal meine Erfahrungen hier nieder. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Leser.
Während ich vor der OP bereits Angst vor einem Rezidiv hatte, sage ich mir jetzt: soll das Ding doch wiederkommen! Dann lass ich's eben wieder rausschnippeln. Und nu?!
Lasst euch nicht verunsichern und macht euch nicht fertig! Es ist alles halb so wild.

Vielleicht von mir noch ein kleiner Tipp zur Wundversorgung: duscht die Wunde einmal pro Tag mit lauwarmem Wasser aus. Hinterher schön trocknen lassen. Wenn's bei mir mal wieder schnell gehen musste, habe ich den "Willi" geföhnt. Legt immer ein Stück Mullkompresse in die Wunde hinein, das verhindert, dass die Wundränder zusammenwachsen, bevor die Wunde an sich zugeheilt ist. Außerdem wird das Wundsekret auch besser in die auf der Wunde liegenden Kompressen geleitet und geht nicht unten aus dem Verband raus und in die Klamotten hinein.
Auf die Wunde am besten eine Mullkompresse und eine Saugkompresse (10x10cm) legen, dann mit Fixomull-Pflaster (10x15 cm; unten mittig 2cm nach oben einschneiden und auf linker und rechter Pobacke festkleben) fixieren. So ist man schön beweglich ;-))
Und ich habe mir Enzyme besorgt. Die fördern die Wundheilung!!

So, ich muss jetzt raus hier!!

Liebe Grüße an euch alle
Sandy1978
 
Beiträge: 2
Registriert: Do 18. Mär 2010, 05:31

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Michael-Berlin am Fr 26. Mär 2010, 12:03

Hallo!!!!
Hab dein Beitrag gelesen und muss sagen das Du recht hast.

Ich hatte bei meiner 1. OP vor 10 Jahren auch ein wahnsinnigen Schiss gehabt und hab mir die schlimmsten Schmerzen vorgestellt.
Als mein Chirug meinte zu mir, das ich eine Steissbeinfistel hab und man mir wortwörtlich den A..... aufreissen wird.
Es wurde ambulant gemacht und nur unter ortlicher Betäubung meines Gesässes.
Ich hab von der ganzen schnippelei nix mitbekommen und nach 20 min war alles vorbei und ich konnt nach Hause.
Schmerzmittel hab ich nur für den 1 Tag nach der OP bekommen und hab noch nichtmal die benötigt, da ich keine Schmerzen hatte.
Die Wundversorgung wurde in der Woche beim Doc gemacht und am Wochenende hat es meine Freundin gemacht und zum Ende hin war ich nur noch 1 mal die Woche beim Arzt zur Kontrolle.
Nach 6 Wochen war alles vorbei und ich glücklich.

Das Glück hielt aber nur 7Jahre und ich hatte wieder einen ungebeteten Gast .
Also wieder zum Chirug , gleiche Diagnose und ab unters Messer.
Diesmal mit Vollnarkose.
Nach 2 Stunden bin ich Hungrig und mit einem Durst aufgewacht.
Nach einer weiteren Stunde dürfte ich dann nach Hause.
Keine Schmerzen oder ähnliches, nur hatte ich diesmal noch ein Dränage drin um das Blut abfliessen zulassen.
Die wurde mir aber am nächsten Tag ohne jeden Schmerz rausgenommen und ich musste jeden Tag zur Wundbehandlung.
6 Wochen krankgeschrieben und dann war gut.

2 Jahre später die gleiche Prozedur.
Das war dann die 3 OP.

Meine 4 und letzte war vor 6 Wochen mit 4 Tage KH-Aufenthalt.
Diesmal wurde radikal ausgeräumt und ich hoffe das es maeine letzte war
Michael-Berlin
 
Beiträge: 13
Registriert: Do 25. Mär 2010, 09:22

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Bln_nnn am Fr 26. Mär 2010, 16:51

Hallo Sandy, hallo Micha,

ich hab dieses Forum nun fast komplett durchstöbert und bin bei euren Kommentaren hängen geblieben. Ich hab mich vor ca. sieben Jahren einer ambulanten Operation am Steiß unterzogen, damals in Hannover. Soweit ist auch alles gut verlaufen, Schmerzen waren erträglich bzw. nicht vorhanden. Aber eine Wundversorgung wie ihr es beschreibt hab ich nicht bekommen, sondern der Dok hat mich mit meinem Krater am Steiß einfach für ne Woche krank geschrieben, mit den Anweisungen Zuhause auf dem Bauch liegen bleiben, Wundauflage wechsel, ne Woche abwarten und gut. Von einer Diagnose Steißbeinfistel oder so hat der nichts erwähnt. Heute 2010 hab ich dieses Ding schon wieder am Steiß und bin natürlich genervt. Nun bin ich durch dieses Forum bzw. die dazugehörigen Seiten etwas besser und umfassender Informiert und zu dem Schluss gelangt der Dok von damals hat die Sache einfach halbherzig eingeschätzt.
Meine Frage nun an euch zwei Berliner, ich wohne zwischenzeitig wieder in Berlin und ich würde gern wissen im welchem KH ihr euch habt operieren bzw. versorgen lassen. Denn diesmal werde ich mich nicht wieder ambulant an einen x-beliebigen Arzt wenden. Ich hätte gern eure Meinung bzw. einen Rat.
Ich möchte mir die turnusmäßig fünf- bis siebenjährliche Operation einfach ersparen.

LG und besten Dank im Vorraus
Bln_nnn
 
Beiträge: 3
Registriert: Fr 26. Mär 2010, 16:22

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Michael-Berlin am Fr 26. Mär 2010, 19:12

Hallo Bln_nnn!!!!!
Meine ersten 3 OPs sind durch Ambulante Chirugen gemacht worden.
1x in Lichtenrade bzw Lankwitz.
2x in Reinickendorf
und meine Letzte wurde im Vivantes Humbold-Klinikum in Reinickendorf gemacht.
Bin mit allen drumherum zufrieden.
Nette Ärzte und Betreuung.

Ich weis nicht woher aus Berlin Du bist, aber das Humbold ist echt klasse.


Wen Du noch mehr fragen hast , frage ruhig.
Michael-Berlin
 
Beiträge: 13
Registriert: Do 25. Mär 2010, 09:22

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Bln_nnn am Fr 26. Mär 2010, 22:05

Hallo Michael,

vielen Dank für deine prompte Antwort. Hast du also auch die Erfahrung gemacht, das ambulant eine Glückssache sein kann.
Reinickendorf ist ja nicht so weit weg. Ich bin aus Spandau, werde mich mal die Tage dort erkundigen.

Gruß Bln_nnn
Bln_nnn
 
Beiträge: 3
Registriert: Fr 26. Mär 2010, 16:22

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Michael-Berlin am Fr 26. Mär 2010, 22:10

Hallo!!!
Ich kann dir wenn Du magst die Tel.Nummer geben.

Mit der Ambulanten OP hat es nur beim erstenmal eingermassen geklappt(7 J. ruhe)
Die 2 und 3 waren ein reinfall innerhalb von 3 Jahren.

Ich hoffe das die jetztige auch die letzte war.

Mfg Michael
Michael-Berlin
 
Beiträge: 13
Registriert: Do 25. Mär 2010, 09:22

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Sandy1978 am Sa 27. Mär 2010, 19:22

Halli hallo,

ich habe die ambulante OP durch einen niedergelassenen Arzt im Prenzlauer Berg machen lassen. Auch wenn ich Trouble wegen der Nachblutung hatte, würde ich jederzeit wieder zu ihm gehen und es ambulant machen lassen. Er hat bei mir radikal "aufgeräumt" ;-)) Die Arzthelferin hat mir gesagt, dass bis jetzt niemand der am Steißbein Operierten wieder aufgetaucht ist. Was auch immer das bedeutet... An einer eventuell schlechten Betreuung kann es nicht liegen!!!
Ich kann dir den Namen und die Telefonnummer gern nennen!
LG, S.
Sandy1978
 
Beiträge: 2
Registriert: Do 18. Mär 2010, 05:31

Re: ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM!!!

Beitragvon Bln_nnn am Mi 30. Jun 2010, 10:38

Hallo alle Zusammen,

erstmal schönen Dank für eure Tipps hier im Forum. Ich möchte euch kurz von meinem Krankenhausaufenthalt berichten, vielleicht hilft es dem/der einen oder anderen bei der Entscheidungfindung. Ich habe mich nach langen Recherchen für das Bundeswehrkrankenhaus (BWK) Berlin, in der Scharnhorststr. entschieden. Und meine Wahl war eine gute, wie ich abschließend sagen kann.

Was viele nicht wissen, das BWK ist für Patienten aller Kassen gleichermaßen zugänglich, nichgt nur für Angehörige der Bundeswehr. In Bezug auf die Diagnose Steißbeinfistel hat das BWK die höchsten Anzahl an Operationen in Berlin, was auf die Musterung von Soldaten zurückzuführen ist. Den bei der Musterung wird die Fistel als solche geprüft und erkannt und nicht als "Pickel" abgetan, wie bei meinem Chirurgen in Hannover damals.
So hat laut Statistik das BWK fast 50% aller in Berlin durchgeführten Op's an Steißbeinfisteln pro Jahr, sofern meine Info's stimmen. Der Ablauf der Behandlung war gut durchgeplant, ohne große Wartezeiten. Die Wunde wurde trotz einer Schnittlänge von ca. 10 cm gleich geschlossen und es gab keine Komplikationen. Die Ärtzte und Pfleger sind gewissenhaft was Hygiene und Nachkontrolle anbelangt und sehr freundlich obendrein. Der Aufenthalt war sehr ruhig und erholsam. Meinen Dank an die komplette Station H2. ;)
Ich habe meine Fistel hoffentlich hinter mir gelassen. Ich wünsche allen Leidensgenossinnen und -genossen eine schnelle Heilung und möge die Fistel von uns bleiben.

Einen schönen Tag
Bln_nnn
 
Beiträge: 3
Registriert: Fr 26. Mär 2010, 16:22


Zurück zu Steißbeinfistel - Allgemein

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Optimized by SEO phpBB
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Impressum